Seite drucken

Indien

von Josef Hader & Alfred Dorfer

... kabarettistisches Kammertheater, das gerade in seiner lausigen Alltäglichkeit jede Menge Spaß macht. (Badische Zeitung)

Dauer ca.

Indien

Der bodenständige, Bier trinkende Schnitzeltester Heinz Bösel und der von fernöstlicher Spiritualität bewegte Rohkostler Kurt Fellner, ein biederer Streber, treffen aufeinander. Anfangs sind sie sich sehr fremd, doch dann kommt man sich näher und schaut nicht nur in den Abgrund so manchen Glases. Aus ihrem Gespräch über’s Fressen, Saufen und Vögeln entsteht echte Männerfreundschaft, und gemeinsam philosophieren die beiden über die Liebe, die Frauen, den Tod und das Leben. Und würde das Schicksal nicht manchen ungeahnten Haken schlagen, man wüsste sich vor Lachen kaum mehr zu halten.

Das tragikomische Theaterstück „Indien", 1991 von Josef Hader mit Alfred Dorfer verfasst und gespielt, war ein großer Erfolg und wurde 1993 ebenso erfolgreich verfilmt. Das Stück zählt zum Feinsten, was das Theater im Bereich Kabarett zu bieten hat, ein echtes Original des österreichischen Humors.

„Indien ist ein Wunderwerk des komischen Schreckens... ein Duo, wie es sich Helmut Qualtinger und Thomas Bernhard in einer gemeinsam durchsoffenen Nacht vielleicht hätten ausdenken können. Eine Monsterkomödie!“ (Der Spiegel)

Darsteller Peter von Fontano Otto Beckmann Jochen Haas 

Regie Christian Bronder

Online Kartenvorverkauf

Kritiken

Badische Zeitung vom 22.05.2009

Indien von Josef Hader und Alfred Dorfer

Heinzi kaut um sein Leben

Ordinäre Flüche, Zoten, Schimpfwörter – stubenrein ist das nicht. Aber a bisserl derb muss man´s schon vertragen können, schließlich spielt die Tragikomödie "Indien" (Uraufführung Wien, 1991) im ländlichsten Niederösterreich, in einer endlosen Reihe trostloser Wirtshäuser, wo zwischen Bierkrügen und Schnitzeltellern dicke Fliegen ihre Beine putzen. So was halten echte Männer nur aus, wenn sie auch mal verbal und dursttechnisch über die Stränge schlagen dürfen. Doch was sich unter dieser wurstigen Wüstheit versteckt, hat doch menschliche Güte: Dank einer ungewöhnlichen Männerfreundschaft blitzt tatsächlich immer wieder ein Stück Himmel auf.

Deswegen wird das Zweipersonenstück der österreichischen Kabarettisten Josef Hader und Alfred Dorfer seit seiner erfolgreichen Verfilmung 1993 von Berlin bis Basel gespielt. Nun ist es auch im Gewölbekeller des Freiburger Wallgraben Theaters angekommen. Sinnigerweise hat das Haus dafür den Freiburger Gastregisseur Christian Bronder gewonnen, der seit vielen Jahren mit illustren Kabarettisten arbeitet. Und weil eine niederösterreichische Groteske mit ihrem hintersinnigen Schmäh weder auf Hochdeutsch noch auf Badisch funktioniert, sind mit Otto Beckmann und Peter von Fontano zwei echte Mundartler auf der Bühne.

Diese zeigt sich trotz häufiger Umbauten als Wirtshaus-Mikrokosmos der untersten Kategorie: In Variationen gibt es Durchreiche, Holztische und an der Wand wahlweise Geweih oder Bergpanorama. Darunter sitzt Restaurant- und Gaststätteninspektor Heinzi Bösel und kaut um sein Leben: Wortkarg, vierschrötig, versoffen und voll dumpfbackiger Aggressivität.

Wunderbar und fast schon erschreckend authentisch, wie Peter von Fontano diesen schnitzelvernichtenden Grobschnittmacho auf die Bühne bringt. In krassem Kontrast dazu Kollege Kurtl (Otto Beckmann): Ein übereifriger Schwafler und pseudointellektueller Küchenpsychologe, der sich die Welt mit abstrusen Philosophien zurechtlabert und Indien als das Land der lächelnden Weisheit entwirft. Diese beiden tingeln auf gemeinsamer Dienstreise durch die Provinz: Schweigen sich an, reden aneinander vorbei, nerven, streiten und besaufen sich, ärgern die Wirte (Jochen Haas), kommen sich näher und wagen schließlich die Freundschaft.

Feinfühlig hält die Inszenierung den Spagat zwischen klamottigem Komödienstadl und zartbitterer Groteske (Musik: Attwenger.) Mit Situationskomik, Wortwitz und einer punktgenauen Körpersprache entspinnt sich ein Stück kabarettistisches Kammertheater, das gerade in seiner lausigen Alltäglichkeit jede Menge Spaß macht. Lebt der erste Akt von der explosiven Spannung zwischen den beiden unterschiedlichen Charakteren, verliert sich diese nach der Pause. Denn es gibt einen – vielleicht zu – abrupten Stimmungswechsel: Ausgerechnet der gesundheitsbewusste Kurtl liegt mit unheilbarem Hodenkrebs im Krankenhaus. Selten findet Sterben auf der Bühne statt, hier entwickelt sich aus Galgenhumor ein zärtlicher Blick auf das Wesentliche. Denn im Angesicht des Todes brechen Phlegma und Lack: Das ruppige Ekelpaket mutiert zum herzlichen Lausbub, der Schnösel zum Helden. Indien ist nah – sogar in Niederösterreich.