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Pension Schöller

von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs

unterhaltsamer, erfrischend ungewöhnlicher Theaterabend (Badische Zeitung)

Lustspiel nach Maß (Kultur Joker)

Dauer ca. 2h 15min

Pension Schöller

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Philipp Klapproth, Gutsbesitzer aus der Provinz, möchte bei einem seiner Trips nach Berlin, eine Irrenanstalt von innen erleben, um damit zu Hause angeben zu können. Seinen ewig klammen Neffen Alfred verspricht er finanziell zu unterstützen, sollte er ihm diesen Wunsch ermöglichen. Alfreds Freund Ernst Kißling hat eine Idee: man führt den Onkel in die Pension Schöller, deren Gäste ziemlich exzentrisch sind, verkauft es ihm als Besuch in einer Klapsmühle und schärft ihm ein, sich nicht anmerken zu lassen, wo er sich befindet. Klapproth, der die Gäste wirklich für Irre hält, merkt nicht, dass ihm hier keine Irrenhausinsassen, sondern ganz normal Verrückte begegnen und amüsiert sich prächtig. Doch die Tarnung hat fatale Folgen ... Ob ein duellwütiger Major, eine Lore-Romane schreibende Dame oder ein hoffnungsloser Schauspielstudent mit eklatantem Sprachfehler .... Sie alle besuchen eines Tages Klapproth auf sein Gut – der einstige Spass wird zum Albtraum!

Freuen Sie sich auf die Inszenierung des Lustspielklassikers (UA1890 Berlin) bei den beliebten Rathaushofspielen des Wallgraben Theaters im Sommer 2010!

Darsteller Regine Effinger Sabine Bräuning Hans Poeschl Peter W. Hermanns Burkhard Wein Ives Pancera 

Regie Andreas von Studnitz

Online Kartenvorverkauf

Kritiken

Badische Zeitung vom 30.07.2010

Pension Schöller von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs

Theater unter freiem Himmel zeichnet sich gerne aus durch viel Bewegung, große Schauspielergesten und ein plakatives Bühnenbild, das zudem oft die natürliche Umgebung mit einbezieht: Damit der Zuschauer, der draußen womöglich durch stechende Insekten, brummende Hubschrauber, schlagende Uhren – oder gar prasselnden Regen – abgelenkt werden könnte, dem Geschehen dennoch konzentriert folgen kann. Ein Gesetz freilich ist das soeben Beschriebene nicht – und durch die neueste Produktion des Wallgraben-Theaters in ihrem Sommerspielort Rathaushof wird es sogar widerlegt – auf, das soll schon mal verraten werden, originelle und charmante Art und Weise.

Die Bühne für das vor 120 Jahren uraufgeführte Lustspiel "Pension Schöller" ist requisitenlos. Eine mit schwarzem Stoff bespannte Wand versperrt den Blick auf Türen und Fenster des historischen Rathauses, ein schwarzer Paravent auf der Bühne dient als Auf- und Abgang sowie als Eingang zu diversen Zimmern. Von besonderer Bedeutung ist das auf Oberschenkelhöhe der Schauspieler angebrachte weiße Podest: Es macht aus der Bühne eine Art Kasperletheater. Die sechs Darsteller werden durch an die Kostüme angebrachte Schuhe in eben dieser Oberschenkelhöhe auf groteske Art liliputisiert. Folglich sind auch ihre Bewegungen eher minimalistisch, sie tippeln und hüpfen; wenn sie miteinander sprechen und spielen, geschieht das stets auf engem Raum. Und obwohl man sich diese Produktion, die der Ulmer Theaterintendant Andreas von Studnitz aus der Donaustadt mitbrachte und für Freiburg neu inszenierte, genau so gut auf der Kellerbühne vorstellen kann, funktioniert sie wunderbar unter dem sommerlichen Abendhimmel. Zweifellos liegt das auch an den Schauspielern des Wallgraben-Theaters.

Doch zunächst zum Inhalt: Philipp Klapproth, ein schwäbischer Gutsbesitzer, möchte bei einem seiner Ausflüge nach Berlin etwas erleben, womit er zu Hause angeben kann. Er beauftragt seinen Neffen Alfred, ihn in eine "Privatklinik für Gestörte" einzuschleusen – aus purer Lust am Voyeurismus. Der skrupulöse Alfred sucht Rat bei seinem Freund Ernst, der die Idee hat, Klapproth in die Pension Schöller mitzunehmen, da sich dort allenthalben exzentrische Gäste einquartieren, denen man eine gewisse Verrücktheit nicht abstreiten kann...

Wilhelm Jacoby und Carl Laufs’ Lustspiel "in drei Aufzügen" ist ein Schwank, der seine Komik aus permanenten Missverständnissen und Verwechslungen bezieht: also aus Sprache und Kostümierung. Viel Sorgfalt hat von Studnitz auf die Figurenzeichnung gelegt – und auf die Besetzung. Hans Poeschl ist ein urkomischer Klapproth, der – als gebürtiger Ulmer – nach Herzenslust schwäbeln darf. Die allen Charakteren durch die kurzen Beine und die Bühnengestaltung auferlegte gewisse Statik befeuert die Komik, die Poeschl etwa durch seine kieksende, sich überschlagende Stimme so herrlich zum Ausdruck bringt. Grandios witzig ist auch Ives Pancera, der sowohl den Neffen Klapproths als auch den des Pensionsbesitzers spielt: Als Alfred schwyzerdütscht der gebürtige Basler, als Eugen verkörpert er so überzeugend einen Möchte-Gern-Schauspieler mit Sprachfehler, dass man als Zuschauer aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Regine Effinger beweist einmal mehr ihre enorme Wandlungsfähigkeit, indem sie in gleich drei Frauenzimmerrollen auf die Bühne tritt: als Schundroman schreibende Josephine, als Püppchen-Tochter Franziska und als nervige Heiratsanbahnerin Amalie. Spielfreude und Sprachverstand zeigen auch Peter W. Hermanns, Burkhard Wein und Sabine Bräuning – eine tolle Ensembleleistung, die dem Zuschauer einen unterhaltsamen, erfrischend ungewöhnlichen Theaterabend beschert (Heidi Ossenberg, BZ).


Kultur Joker vom 02.08.2010

Pension Schöller von

Von der Provinz aus muss Berlin Ende des 19. Jahrhunderts Versprechen und Drohung gewesen sein. Was in diesem Moloch passierte, kannte man allenfalls vom Hörensagen. "Ich bin nach Berlin gekommen, zu hören und zu sehen", sagt in Wilhelm Jacobys und Carl Laufs Posse "Pension Schöller" Gartenlaubenautorin Josephine Krüger; Philipp Klapproth hingegen will seinen Kumpels zuhause etwas erzäh- len, das sie wirklich umhaut. Die "galanten Abenteuer", die sein Neffe Alfred vermutet, sind dem Gutsbesitzer viel zu anstrengend, echte Irre will er sehen. Ende des 19. Jahrhunderts, der Schwank wurde 1890 in Berlin uraufgeführt,waren derartige Heilanstalten noch gar nicht so alt. Kein Wunder also, dass sie für Klap- proth verführerisch waren: die Normabweichung mitten in der Gesellschaft, wie schrecklich und aufregend zugleich! Und natürlich ein Stoff für eine Posse. Denn wer kennt sie nicht die Narren, die die Komödien bevölkern? Und auch das Auto- renduo sollte sich damit ausgekannt haben, schließlich waren die beiden Mainzer überzeugte Karnevalisten. Im Wallgrabentheater hat der Narr derzeit kurze Beine. Auch, das ist ein Motiv, das nicht ganz unbekannt ist. Auf der Freiluftbühne der 35. Rathaushofspielen nimmt man's jedoch nicht als Alleinstellungsmerkmal, sondern demo- kratisch. Sowohl die Figuren,die in Wilhelm Jacobys und Carl Laufs' Stück von Klapproth für verrückt gehalten wer- den - als auch er selbst - haben auf Oberschenkelhöhe Schuhe angeschnallt, die die Beine optisch verkürzen. Die Darsteller agieren vor einer schwarzen Balustrade, so dass es scheint, als wären sie wirklich so klein. Andreas V. Studnitz zitiert mit diesem Regieeinfall das Vaudeville und Kuriositätenshows. Mag sein, dass Studnitz' Gedanke dabei war, zu zeigen, dass Anderssein völlig normal ist (entsprechend viele Dialekte sind auf der Bühne zu hören) und dass Lügen eben kurze Beine haben. Dennoch wirken diese puppenhaften Gestalten despektierlich, zumindest aber zwiespältig. Großwildjäger, Gartenlaube, verkuppelnde Mütter, duellie- rende Majore - alles "olle Kamellen", um in Schöllers Jar- gon zu bleiben. Zuletzt wurde "Pension Schöller" 1960 mit Theo Lingen verfilmt, ist aber auch eine sichere Bank fürs Sommertheater. Die Posse jedenfalls entwickelt sich wie am Schnürchen, fast wie eine Nummernrevue der Skurrilitä- ten mit ausgesprochen aufwendigen, historisierenden Kostü- men sorgfältig ausgestattet. Da gibt's den Vielreisenden Fritz Bernhardy (Burkhard Wein), die überspannte Trivialschriftstellerin Josephine Krüger (Regine Effinger), einige blutjunge Töchter (Sabine Bräuning und Regine Effinger), den Musensohn Eugen Hümpel (Ives Pancera), der trotz seines Sprachfehlers (er kann kein ,,1" sprechen), sich eine Karriere als Schauspieler erhofft, nur mühsam von seinem bodenständigeren Onkel, Pensionsleiter Schöller (Peter W. Hermanns), im Zaum ge- halten. All diese Pensionsgäste von Schöller werden Philipp Klap- proth als Insassen einer psychiatrischen Anstalt von seinem Neffen Alfred (Ives Pancera) untergejubelt. Schöller (schön ausgestellter Biedersinn: Hans Poeschl) genießt und schweigt nicht und reitet sich in Probleme. Schöller ist für seinen Dar- steller eine Lustspielrolle nach Maß, die trotz aller Typisierun- gen dieser Inszenierung der Figur menschliche Züge verleiht. Klar dominieren jedoch die komödiantischen Gesten, die Ka- rikatur, der schnelle Witz(Annette Hoffmann):