Kritiken

Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt - frisch, frech, frivol von Trio Retro

Badische Zeitung vom 01.03.2006

Heitere Erinnerung

"Theater, Theater": Noch ist der Vorhang zu, da klingt es schon dahinter hervor, leise wie eine heitere Erinnerung. Vorhang auf: Eine Kabarettbühne, Klavier, Spanische Wand und ein Cafétisch mit Sektkübel. Und in der Mitte singt Ursula Keller Ralph Siegels Lied von Freud und Leid der Bühne, begleitet von Gottfried Beck und Werner Erhart. Das "Trio Retro" hat zu seinem Programm "Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt"  frisch, frech, frivol ins Wallgrabentheater geladen, und der Titel sagt alles: lebenslustige Lieder aus der Zeit zwischen 1905 (Lehárs ?Lustige Witwe? ) und 1980 (?Theater? ). Gottfried Beck, der ältere Herr am Klavier, wirkt auch am Ende des Abends noch, als könnte er stundenlang weitermachen. Wie andere Leute ein Liedchen vor sich hinsummen, so spielt er vergnügt einen Schlager nach dem anderen und gibt Ursula Keller auch mal ein Stichwort.


Sie, die Gastgeberin im feuerroten Fransenkleid, singt und erzählt von den lebenslustigen 20er-Jahren, als wäre sie dabei gewesen. Und Werner Erhart gibt sich am Bass und in den Nonsense-Dialogen mit Beck recht bärbeißig. Wenn er dann aber, den Schlapphut schräg auf der Künstlermähne, ?Wenn ich einmal reich wär? ? singt oder sich in ?Josef, ach Josef? der Avancen Frau Potifars erwehrt, wird der Franke zum Charmeur.


Und egal, ob Ursula Keller Frau Potifar oder die aufgeregte ?Kleptomanin? (in Friedrich Hollaenders Schlager) spielt, ob sie mit Richard Fall fragt ?Wo sind deine Haare, August?? oder mit Peter Kreuder rät ?Man muss die Männer schlecht behandeln? : Immer umgarnt sie das Publikum mit ihrem Lächeln und ihrer weichen Stimme. Hollaenders ?Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre? gibt sie eine so kecke Note, dass man das Säuseln der Diseusen gern vergisst.


Das ?Trio Retro? liebt seine Musik, und dafür liebt das Publikum das ?Trio Retro? . Operettenabende, Gesangsstars, alte Filme, Revuen: Erinnerungen machen bei dieser Musik die Hälfte des Reizes aus. Da braucht Beck die Zugabe nur mit dem Namen Paul Burkhard anzukündigen, schon seufzt es ihm aus der ersten Reihe entgegen: ??Oh mein Papa? !? Und die andere Hälfte? Ein Blick aufs ?Trio Retro? , und man weiß es. Es ist der Charme. (Friedrich Sprondel, BZ)


Wallgraben Theater
Das kleine Schauspielhaus in Freiburg

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