Kritiken

Offene Zweierbeziehung von Dario Fo und Franca Rame

Badische Zeitung vom 13.07.2009

Zelebriertes Eheunglück

Die beiden Piktogramme auf dem Programmzettel geben bereits den entscheidenden Hinweis: Sowohl das männliche wie auch das weibliche Ikon tragen Verbände und Pflaster. Wir haben es doch gewusst – ohne Verletzungen geht es zwischen Mann und Frau nicht ab. Aber halt: So grundsätzlich wollten wir das Thema ja gar nicht angehen. Eine Beziehungskisten-Komödie, kein L(i)ebenserfahrungsbericht, steht auf dem Programm im Freiburger Wallgraben-Theater. Eine Komödie zudem, die seit den 80er Jahren ein Bühnen-Hit ist: "Offene Zweierbeziehung" vom Literaturnobelpreisträger Dario Fo und seiner Frau Franca Rame.


Es geht auf der nur mit ein paar Klappstühlen bestückten Bühne um Antonia und ihren Ehemann, der in Tim Lucas’ Adaption des Stoffes "namentlich nicht genannt werden will". Nicht, dass Anonymität hier grundsätzlich von Bedeutung wäre. Die offene Zweierbeziehung wird zur öffentlichen Zweierbeziehung, denn Claudia Hübbecker und Miguel Abrantes Ostrowski spielen ein Paar, das seine fatale Beziehung in einer Therapie aufarbeitet. Die (ebenfalls von ihnen verkörperten) Therapeuten freilich drücken sich vor der Analyse dieses schwierigen Falls von Eheunglück. Sie scheinen zu wollen, dass das Publikum ihren Part übernimmt und so stimmen sie es mit Langhaar-Perücken und sanftem Psychosingsang vor dem Vorhang mit dem Kinderlied: "Froh zu sein bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König" auf die zu erwartende Schlammschlacht ein.


Das funktioniert bei der Premiere schon fast unheimlich gut. Das Publikum lässt sich sofort auf die Rolle ein; ist nahezu gierig auf die in der folgenden Stunde abgespulten Streitmuster, auf die fein-fiesen Dialoge, die genüsslich zelebrierten Geschlechterklischees. Es wird viel gelacht über den Ehemann, der laufend fremd geht und das aufgeschlossene Verhalten, das er von seiner Frau verlangt, dann selber nicht zeigen kann, als sie sich endlich auch einen neuen Partner sucht. Hübbecker brilliert in der Rolle der mal suizidgefährdeten, mal abgeklärten betrogenen Ehefrau, Ostrowski gibt dem testosterongesteuerten Ehemann angemessene Arroganz. Der Abend brachte keine neuen Erkenntnisse – so konnten Mann und Frau sich in den alten Vorurteilen prima bestätigt fühlen.



Wallgraben Theater
Das kleine Schauspielhaus in Freiburg

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79098 Freiburg