Kritiken

Die Nervensäge von Francis Veber

Badische Zeitung vom 18.12.2009

Mit dem Tod kennt Jean Martin sich aus – schließlich ist er Berufskiller, der just von dem Hotelzimmer aus, das neben Pignons liegt, einen Mafia-Kronzeugen vor dem Justizgebäude erschießen soll. In Francis Vebers Komödie "Die Nervensäge", die am Mittwochabend im Freiburger Wallgraben-Theater Premiere hatte, scheitern beide Männer – und dieses Scheitern ist von Regisseur Robert Klatt so turbulent in Szene gesetzt, dass das Publikum aus dem Lachen kaum noch herauskommt.


Das 1970 uraufgeführte Theaterstück, das Dieter Hallervorden ins Deutsche übertragen hat, lebt vor allem von der Gegensätzlichkeit der beiden hier trefflich ausgesuchten Hauptdarsteller. Markus Böllings Pignon ist ein unbeholfener, naiver Typ, herzensgut aber sterbenslangweilig. Peter W. Hermanns Martin ist ein skrupelloser Mann, ungeduldig, berechnend, jährzornig. Böllings eher schmächtige Gestalt, sein blasses Gesicht, seine groß aufgerissenen Augen unterstreichen das Klischee des am Leben verzweifelnden Vertretertypen ebenso wie Hermanns eher kräftiger Körper, sein immer wieder vor Zorn und Ungeduld rot anlaufendes Gesicht und sein bulliges Auftreten für den Berufskiller stehen.


Als der Hotelportier (angemessen schleimig: Burkhard Wein) entdeckt, dass Pignon sich etwas antun will, bittet er Martin im Zimmer nebenan um Beistand, damit er die Polizei rufen kann. Verständlicherweise ist Martin wenig an der Anwesenheit von Polizisten im Hotel gelegen und so verspricht er dem Portier, auf Pignon aufzupassen, wenn dieser die Uniformierten aus dem Spiel lässt. Diesen Deal kann Pignon nur missverstehen: Er glaubt in Martin einen Freund fürs Leben gefunden zu haben, zieht diesen in seine Geschichte hinein und entwickelt sich zu einer unglaublichen Nervensäge. Das Stück erreicht seinen Höhepunkt, als Louises neuer Gefährte, der Psychiater Dr. Fuchs (ein feines Ekel: Peter Haug-Lamersdorf) die Szenerie betritt und Pigon mit Martin verwechselt.


Klamauk und Slapstick in Komödien haben immer viel mit Bewegung zu tun – Klatts Bühne, die aus den beiden Hotelzimmern besteht, eröffnet die Chance für temporeiches Spiel durch die vielen Türen und Fenster. Herein, hinaus, Tür auf, Tür zu, Fensterrolladen auf, Fensterrolladen zu: Hier geht es nicht um feinsinnige Komik und minimalistische Gesten, hier sind plakativer Humor, derbe Sprache und die bewunderungswürdige Körpergewandtheit der Schauspieler Garanten dafür, dass das Stück so gut funktioniert und das Publikum sich so prächtig amüsiert (Heidi Ossenberg)


Wallgraben Theater
Das kleine Schauspielhaus in Freiburg

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